Gründe gegen und für den Bau von drei Windrädern
auf der alten Deponie in Hüttenfeld

II. Gründe gegen den Bau der drei Windräder

3) Grundwasserrisiken durch das Gewicht von den Windrädern auf dem Giftberg

Zusammenfassung: Die erste der drei geplanten WKA – und vermutlich auch die zwei weiteren - sollen ausgerechnet auf dem alten Deponieberg errichtet werden. Dieser alte Deponieberg ist jedoch ein instabil geschichteter Berg ohne Basisabdichtung. In den vergangenen Jahren hat sich der Berg um 5 m gesenkt. Die mineralische Dichtungsschicht von etwa 30 cm hat dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit Risse erhalten. In diesem Fall würde Regenwasser eindringen und Giftstoffe in das Grundwasser gelangen. Der Berg ist nicht geeignet, ein viele Tonnen schweres Gewicht zu tragen. Es ist zu befürchten, dass durch die Belastung weitere Schäden an der Dichtungsschicht entstehen und sogar Giftstoffe in die Luft gelangen. Es droht hier ein weiteres „Neuschloß“, allerdings in viel größerem Ausmaße.

Die drei geplanten WKA sollen nach den Äußerungen des ZAKB in der Zeitung auf dem alten Deponieberg (Bauabschnitte 1 und 2 des Deponieberges) errichtet werden, dem sogenannten Riedberg. Zumindest gilt das für die erste WKA, für die jetzt der Bauantrag beim RP vorbereitet wird.

Der Hüttenfelder Deponieberg ist bereits aufgrund seiner Historie ein Risikostandort. Der alte Teil des Deponieberges (Bauabschnitte 1 und 2) entstand zwischen dem 1.5.1975 und 1989. Es wurde vor allem Hausmüll mit allen möglichen Giftstoffen abgeladen, aber auch 2.000 t Asbest. Der Müll wurde – dem damaligen Umweltstandard gemäß - ohne Basisabdichtung aufgeschüttet, was bei den hier bestehenden hohen Grundwasserständen und dem durchlässigen Untergrund eine große Umweltsünde war. Nach Beendigung der Müllauffüllung im Jahr 1989 wurde eine insgesamt 1,60 bis 1,80 m dicke Deckschicht (Kappenabdichtung) aufgebracht, die aus einer 30 bis 50 cm dicken, wasserundurchlässigen Tonmineralschicht mit darüber liegender Boden- und Oberbodenschicht besteht. Mit der Tonmineralschicht sollte verhindert werden, dass Regen durchsickert und Giftstoffe aus dem Deponiekörper ins Grundwasser gelangen. Die Tonmineralschicht ist aber in Wirklichkeit deutlich dünner als es in den angegebenen 30 bis 50 cm zum Ausdruck kommt. Diese 30 bis 50 cm sind nämlich vertikal gemessen. Bei Berücksichtigung einer Hangneigung von z.B. 45° errechnet sich eine reale Abdeckungsschicht von nur 21 bis 35 cm (rechtwinklig zur Hangneigung gemessen). Das ist nur eine sehr dünne und wegen teils erheblicher Hangneigung recht instabile Dichtungsschicht.

Mit der nachträglichen Kappenabdichtung konnte man aber die in den 24 Jahren davor erfolgte Verschmutzung des Grundwassers nicht ungeschehen machen. Das hierdurch belastete Grundwasser fließt in einer Tiefe von wenigen Metern als Schmutzfahne nordwestlich an Neuschloß vorbei auf den Jägersburger Wald zu, wo sie in etwa 25 Jahren erwartet wird. Im Jägersburger Wald befindet sich ein Wasserwerk, welches das Rhein-Main-Gebiet mit Trinkwasser versorgt. Prüfbrunnen an zahlreichen Stellen dienen zur Messung und Dokumentation der Schadstoffkonzentration und der Wanderung der Schmutzfahne.

Inzwischen hat sich der Deponieberg um 5 m von ursprünglich 50 m auf 45 m gesetzt. Durch unterschiedliche Setzungsprozesse innerhalb des Deponiekörpers hat sich die Tonmineral-Dichtungsschicht offensichtlich verlagert, wobei durch unterschiedliche Absenkungen Scherspannungen und letztlich wohl auch Scherrisse aufgetreten sind. In diesen Rissen und Klüften der mineralischen Dichtungsschicht fließt das Sickerwasser zusammen und wird so entgegen der Planung nicht abgeleitet, sondern sogar in den Deponiekörper eingeleitet, so dass es in der Folge ungehindert Schadstoffe aus dem Deponiekörper auswäscht und in das Grundwasser eintragen kann. Die anfangs an den Flanken des Berges gepflanzten und auch wild gewachsenen Gehölze folgten mit ihren Wurzeln diesen kavernenartigen Wasseradern. Vor ein paar Jahren hat der ZAKB gutachterlich bestätigen lassen, dass die Baum- und Strauchwurzeln die Kappendichtung zerstören würden, so dass mit dem Segen des RP Darmstadt von der Wiederaufforstung Abstand genommen wurde; wie man hörte, kam das dem ZAKB sehr gelegen. Schließlich wurden vor etwa zwei Jahren auf dem alten Deponieberg auch noch die mühsam begrünten Bergflanken weitgehend gerodet, nur auf einem Teil des Ost- und des Nordosthangs stehen jetzt noch Sträucher und junge Bäume. Bei dieser Rodungsaktion wurde auf dem Südhang vorausschauend auch Platz für die weitflächige Photovoltaikanlage geschaffen. – Noch eine Bemerkung zur Zerstörung der Kappendichtung: Jeder Botaniker weiß, dass Wurzeln dem Wasser folgen und nicht umgekehrt. Wenn Wurzeln die Dichtungsschicht durchdringen, dann waren schon vorher Risse vorhanden, in die Wasser eindringen konnte. Das Gutachten des ZAKB über die angeblich durch Wurzeln verursachten Schäden an der Deponieabdichtung läßt sich somit – im Umkehrschluß gelesen – als Eingeständnis des ZAKB ansehen, dass die Kappendichtung nicht mehr dicht ist. Vielleicht muß man sogar feststellen, dass angesichts der starken Setzungen die Dichtungsschicht für eine dauerhafte Abdichtung von Anfang an unzureichend war, was natürlich einschließt, dass die Dichtung für die geplante Wiederaufforstung erst recht nicht geeignet war. Das ist kein Ruhmesblatt für Behörden, Planer und Bauherrn.

Der gegenwärtige Status ist, dass vom Regenwasser ausgeschwemmte Giftstoffe sehr wahrscheinlich immer noch in das Grundwasser durchsickern und die Schmutzfahne verstärken und vergrößern. - Eine wahrlich bewegende, wenn nicht chaotische und durchaus irritierende Historie „unseres“ Müllberges.

Auf diesen instabil geschichteten Berg mit steilen Bergflanken soll nun vorerst eine etwa 300 Tonnen schwere WKA auf einem kreisförmigen Fundament von 33 m Durchmesser gestellt werden. Das Gewicht des Fundamentes kommt noch hinzu. Wir wissen nicht, wie dick das Fundament sein wird. Schon bei einer Dicke von z.B. 50 cm errechnet sich - bei einer Betondichte von 2,5 to/m³ - ein Gewicht von 1000 t. Fundamentgründungen müssen nach DIN frostsicher erfolgen. In Mitteleuropa erfordert dies für das Fundament eine Mindesthöhe (Dicke) von 80 cm. In Fachkreisen werden zwei Typen von Fundamenten auf Müllbergen unterschieden. Zum einen gibt es das „Karlsruher Fundament“, ein Schwerlastfundament mit einer Betondecke von 2 m Dicke. Zum anderen gibt es das „Münchener Fundament“. Hierbei wird zuvor die Bergkuppe dynamisch verdichtet, so dass eine Betondicke von 80 cm für das Fundament reichen soll. Gleich welcher Fundamenttyp in Hüttenfeld zur Ausführung käme - das Gewicht des Fundamentes würde weit über 1000 t liegen. Es ist abzusehen, dass sich durch das Gesamtgewicht von Windrad und Fundament die Risse in der Dichtungsschicht bei der zusätzlichen tonnenschweren Last noch weiter vergrößern würden. In der Folge drohte ein weiteres „Neuschloß“, allerdings in viel größerem Ausmaße.

Es kommt erschwerend hinzu, dass der Deponieberg auch auf der Kuppe Gefälle aufweist und keine ebene Standfläche von 33 m für das Fundament (und weitere Flächen als Arbeitsraum für die großen Baumaschinen) bietet. Um dieses Plateau zu schaffen, müßte die Kuppe 3 – 4 m dick abgetragen und abgeflacht werden. Da das Fundament frostfrei gegründet werden muß, müßte dieses – plus der Dicke einer Schottertrag- und Sauberkeitsschicht unter dem Fundament – auch noch ausgekoffert werden. Das bedeutet, dass auch Müll in beträchtlichem Umfang freigelegt, abgetragen und abgefahren werden müßte. Geschätzte 4000 m³ Boden und Müllabtrag wären zu entsorgen und die Kappenabdichtung anschließend wieder vollständig herzustellen. Am Ende würde das Windrad 3 bis 5 m tiefer als die heutige Bergkuppe stehen.

Außerdem ist zu befürchten, dass durch die Baumaßnahmen mit schwerem Gerät und tonnenschweren Bauteilen auf weichem Grund Deponiegase entweichen und Giftstoffe einschließlich Asbest aufgewirbelt werden und direkt in die Luft gelangen.

Als Eigentümerin der Deponie ist die Stadt und nicht der ZAKB gegenüber der Allgemeinheit dafür verantwortlich, dass alle gesetzlichen Normen zum Schutz vor Vergiftung von Grund und Boden und der Umgebungsluft eingehalten werden. Und der eigenen Bevölkerung gegenüber ist sie dazu verpflichtet, dass das zum städtischen Vermögen gehörende Grundstück seinen Wert behält.

Der neue Deponieberg (bestehend aus den beiden jüngeren Bauabschnitten 3 und 4) wurde vor Beginn der Müllabladung mit einer mehrschichtigen Basisabdichtung versehen. Bis Mai 2005 wurde Müll abgeladen. Danach wurde die Deponie stillgelegt. Die Sickerwasser-Reinigungsanlage wird noch weiter betrieben. Die sich bildenden Sickerwässer werden mittels Dränagerohren aufgefangen, aufkonzentriert, gereinigt und vorschriftsmäßig entsorgt.

4) Keine Standsicherheit für die Windräder auf dem Deponieberg – dem sogenannten Riedberg

Zusammenfassung: Der ZAKB sieht für die drei WKA auf dem Deponieberg keine Pfahlgründung, sondern ein Kappenfundament vor. Der Müllberg mit seinen steilen Flanken ist ein instabiler Standort, bildhaft gesprochen ein hoher Puddingberg. Er ist kein sicherer Standort für ein viele Tonnen schweres Gewicht, zumal durch die Windkräfte bewirkte hohe dynamische Belastungen mit Kantenpressungen hinzukommen. Es drohen Neigungsprobleme durch ungleichmäßige Setzungen und Schwingungen mit dem Risiko, dass das Windrad stillgelegt und vorzeitig abgebaut werden muß. Es lassen sich bislang nur Neigungen bis 3° korrigieren.

Die erste WKA soll auf dem alten Teil des Deponieabschnitts (bestehend aus den Bauabschnitten 1 und 2) errichtet werden, auf dem seit 23 Jahren (seit 1989) kein Müll mehr aufgeschüttet wird. Seitdem hat sich der Berg von einer Höhe über der Ebene von ursprünglich 50 m auf zur Zeit 45 m abgesenkt. Die Flanken des Berges sind stark geneigt. Für Schwertransporte mit Lasten bis 70 t (ohne Fahrzeug) müssen Transporttrassen auf die Bergkuppe angelegt werden.

Erfahrungsgemäß reichen 20 Jahre aus, dass eine homogene Erdauffüllung sich so weit setzt, dass ein Haus darauf errichtet werden kann. Das gilt aber nicht für aufgeschütteten Hausmüll. Müll ist im Gegensatz zu Erde völlig inhomogen. Niemand weiß, was an hohlraumreichen Stoffen darin enthalten ist, und es gibt noch keine gesicherten Erfahrungen, wie lange die verschiedensten Zersetzungsprozesse andauern. Tatsächlich wird heute noch im Bereich der alten Deponie Zersetzungsgas in den Sammlungsrohren aufgefangen und energetisch verwertet. Das deutet darauf hin, dass die Zersetzungsprozesse auch noch auf dem alten Deponieberg andauern. Man kann davon ausgehen, dass der Deponiekörper sich in den nächsten Jahrzehnten zwar weniger, aber noch weiter setzen wird. Auf jeden Fall ist bei Hausmüll die nötige Setzungszeit sehr viel länger als bei einer reinen Erdeauffüllung. Keiner kann genau sagen, wie lange bei Hausmüll die Setzungszeit andauern muß, damit Standsicherheit für die tonnenschweren WKA gegeben ist.

Anläßlich des Tages der offenen Tür im Sommer 2012 wurde der Vorschlag, doch auf dem alten Müllberg ein Aussichtscafe zu eröffnen, von einem ZAKB-Mitarbeiter als nicht machbar bezeichnet, da sich der Untergrund noch zu stark senken würde. Es wäre unserer Meinung nach abenteuerlich, auf den Berg Windräder zu stellen, die sehr viel schwerer sind und außerdem hohe dynamische Belastungen durch wechselnde Winde in den Untergrund eintragen.

In Karlsruhe wurden auf einem stillgelegten Deponieberg (der Deponieberg war erst kurz zuvor geschlossen worden) vor dreizehn Jahren drei WKA errichtet. Eine Abordnung der Stadt Lampertheim und des Ortsbeirats Hüttenfeld hat die Anlage Mitte 2012 vor Ort besichtigt und mit dortigen Verantwortlichen gesprochen. Wie es hieß, war alles im grünen Bereich. Doch schon bald danach müssen sich Probleme ergeben haben. Im September 2012 verlautete aus Fachkreisen, dass es dort bei einer WKA Neigungsprobleme gebe. Gemäß einem Artikel der Badischen Neuesten Nachrichten vom 14.8.2012 berichtete der Geschäftsführer des Betreibers, dass ein kürzlich repariertes Windrad trotz einer Reparatur von 100.000 € nicht mehr lang laufe und keine Versicherung mehr den Schutz übernehme. Zwei der drei WKA sollen nun durch neue ersetzt werden. Im übrigen ist Karlsruhe als Vergleichsstandort nicht geeignet, weil nach unserem Wissen auf der dortigen Deponie vorwiegend Bauschutt abgeladen wurde, während der Hüttenfelder Müllberg aus Hausmüll aufgehäuft wurde.

Fachleute raten dringend davon ab, das Risiko einzugehen, auf einem Hausmüll-Deponieberg mit steilen Flanken riesige Windräder aufzustellen. Mangels praktischer Langzeiterfahrungen kann kein Fachmann Standsicherheit garantieren, schon gar nicht die Genehmigungsbehörde, die im übrigen auch keine Haftung übernimmt. Um Standsicherheit zu gewährleisten, müßte eine sehr kostspielige Pfahlgründung bis in den festen Boden unterhalb des Müllberges vorgenommen werden. Eine solche Gründung sieht der ZAKB bei der Deponie in Hüttenfeld jedoch nicht vor, geplant ist nur ein Kappenfundament.

5) Die Deponie ist ein Schwachwindstandort, so dass Windräder nur wenig Strom erzeugen

Zusammenfassung: Die alte Deponie ist ein ausgesprochener Schwachwindstandort. Die Windgeschwindigkeit bleibt deutlich unter der vom Landesentwicklungsplan geforderten Mindestwindstärke. Windräder werden auf diesem Standort nicht viel Strom erzeugen. Zudem fallen auf Schwachwindstandorten für den Verbraucher höhere Stromkosten an.

Obwohl die Stromerzeugung in entscheidendem Maße von der Windstärke abhängt, hat der ZAKB die Windstärke nicht gemessen, sondern verläßt sich diesbezüglich auf modellhafte Rechnungen mit optimistischen Annahmen. Es ist nämlich höchstwahrscheinlich, dass auf dem Müllberg wesentlich niedrigere Windstärken herrschen als erwartet und in der Modellrechnung angenommen. Im Sinne eines umsichtigen Umgangs mit den Einnahmen aus den Müllgebühren sollte der ZAKB seine Kalkulationen nicht auf Annahmen, sondern auf direkte Windstärkemessungen an Ort und Stelle über ein ganzes Jahr stützen.

Genaue Messungen der Windstärke auf dem Deponieberg hat der ZAKB nicht vorgenommen. Gemäß Windatlas Hessen des TÜV Süd beträgt die Windstärke im gesamten südhessischen Ried einheitlich 5,5 m/sec auf 140 m Höhe. Die Werte wurden jedoch in dieser Höhe nicht gemessen, sondern nach einem Modell in die Höhe gerechnet. Lokale Abweichungen von diesem Einheitswert werden nicht ausgewiesen. Jedoch wird in den Erläuterungen zur Windkarte darauf hingewiesen, dass die Windstärke bei rauher Oberfläche 0,2 bis zu 0,3 m/sec niedriger ausfallen kann. Für den Deponieberg ergibt sich somit aus dem Windatlas des TÜV Süd, dass wegen des vorgelagerten Waldes in Hauptwindrichtung die Windstärke nur ca. 5,25 m/sec in 140 m Höhe über der flachen Ebene erreicht. Dieser Wert liegt deutlich unter dem vom Landesentwicklungsplan (LEP) geforderten Mindestwert von 5,75 m/sec. Der Stromertrag ist bei 5,25 m/sec um 24 % niedriger als bei 5,75 m/sec

Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass die tatsächliche Windstärke noch niedriger ist. Da der Stromertrag in entscheidendem Maße von der Windgeschwindigkeit abhängt, sollte der ZAKB sich Sicherheit verschaffen und an Ort und Stelle ausführliche Windmessungen durchführen. Sonst droht eine Fehlinvestition. Mit dem Geld der Müllgebührenzahler sollte auf jeden Fall umsichtig umgegangen werden.

Für WKA-Investoren gilt bezüglich der Windstärke eine Höhe von 100 m als Standard - und nicht 140 m wie im LEP. Fachleute halten eine Windstärke von mindestens 6.0 m/sec auf 100 m Höhe für absolut erforderlich, um eine WKA mit Gewinn betreiben zu können. Richtet man sich im Fall der Deponie nach dieser Standardhöhe von 100 m, so reduziert sich die geschätzte Windstarke dort noch weiter, sie beträgt auf 100 m Höhe vermutlich noch nicht einmal 5,0 m/sec. Bei genau 5,0 m/sec wäre der Stromertrag 42 % niedriger als bei 6,0 m/sec. - Fachleute schütteln nur den Kopf über das Bauvorhaben des ZAKB auf der Deponie Hüttenfeld.

Jedes Windrad, gleich wo es steht, schädigt Natur, Mensch und Landschaft. Wenn man dennoch ein Windrad baut, dann muß es dafür einen sehr guten Grund geben. Und der einzige gute Grund ist, dass es eine nennenswerte Menge von Strom erzeugt. Ist dies bei einem bestimmten Standort nicht der Fall, sollte auf ihn kein Windrad gestellt werden. Gemäß dem Landesentwicklungsplan sollen in Hessen Windräder nur dort gebaut werden, wo es sich lohnt. Diese Bedingung ist beim Deponieberg nicht erfüllt. Auf dem hessischen Energiegipfel am 10.11.2011 wurde das Ziel ausgegeben, dass bis 2050 der elektrische Strom in Hessen zu 100 % aus erneuerbarer Energie stammen soll. Die Windkraft soll einen Anteil von 3/5 dazu beitragen, hierfür sollen 2 % der Landesfläche als Vorrangfläche für Windräder ausgewiesen werden. Dieses Ziel läßt sich nur erreichen, wenn Windräder wirklich nur auf Starkwindstandorten errichtet werden, sonst reichen 2% der Landesfläche nicht aus.

Nach einer Statistik von WindGuard wurde im Jahr 2012 in Deutschland kein einziges Windrad auf einem Standort mit einer so geringen Windstärke errichtet, die niedrigsten Werte lagen bei ca. 6,0 m/sec auf 100 m Höhe. Das Projekt in Hüttenfeld mit nur 5,0 m/sec wäre also ein absoluter Ausnahmefall. Da der Stromertrag bei zunehmender Windstärke mit der dritten Potenz wächst, bringt ein Windrad bei doppelter Windstärke acht mal mehr Strom. An der Küste, wo eine Windstärke von 11,0 m/sec auf 100 m Höhe üblich ist, steigt der Stromertrag auf das 10,6-fache. Da der Wind dort auch noch doppelt so lange weht wie auf der Deponie, steigt der Stromertrag sogar auf das das 21,2-fache.

Verbandsvertreter der Windstromerzeuger sehen es sehr ungern, wenn WKA auf Schwachwindstandorten gebaut werden, weil dann sehr viel mehr WKA nötig sind, um die benötigte Strommenge zu erzeugen. Man befürchtet, dass irgendwann bei der Bevölkerung eine gefühlsmäßige Übersattigung erreicht wird und sich dann die Stimmung dreht. Der gute Wille der Bevölkerung für die Energiewende und die Bereitschaft, höhere Kosten zu tragen, darf nicht überfordert werden. Deshalb drängen die Verbände darauf, Windräder nur auf Starkwindstandorten zu errichten.

Auf Starkwindstandorten würden sich auch manche Umweltprobleme entspannen. Fledermäuse z.B. leben seltener in Gebieten, wo der Wind stark weht. Dies ist ein weiterer Grund, den Bau von WKA auf Starkwindstandorte zu beschränken.

Windräder auf Schwachwindstandorten führen überdies zu höheren Stromkosten für den Verbraucher. Seit der jüngsten EEG-Novelle ab 1.1.2012 ermäßigt sich nämlich die EEG-Umlage, je höher die Windstärke ist, und umgekehrt steigt sie bei schwachem Wind. Bei einer Windstärke von 5,85 m/sec und niedriger fällt die Umlage um etwa ein Drittel höher aus als im Durchschnitt der 2012 in Deutschland errichteten WKA, was eine erhebliche Kostensteigerung darstellt. Eine WKA auf der Deponie belastet also den Verbraucher mit unnötig hohen Stromkosten.

6) Der ZAKB geht mit der Investition ein hohes wirtschaftliches Risiko ein

Zusammenfassung: Der ZAKB ist im Begriff, eine Millioneninvestition zu tätigen, die keinen Gewinn verspricht, sondern im Gegenteil ein hohes Verlustrisiko birgt. Auftretende Verluste müßten nach Lage der Dinge aus den Gebühren für die Müllentsorgung ausgeglichen werden.

Sowohl der Geschäftsführer des ZAKB, Hilbert Bocksnick, als auch der Verbandsvorsitzende des ZAKB, Thomas Metz, haben nach Pressemeldungen in der jüngsten Zeit mehrfach geäußert, der ZAKB wolle mit der WKA keine Gewinne machen. Nach Ansicht von Fachleuten sind an diesem Schwachwindstandort auch keine nennenswerten Gewinne zu erwarten. Es ist zu fragen, warum dann überhaupt eine solche Anlage gebaut werden soll? Eine Investition von 5 Mio Euro nur für ein Nullsummenspiel? Bei drei WKA summiert sich die Investition gar auf 12 - 15 Mio Euro, die in den Sand (Müll) gesetzt werden.

Wenn die Investition nicht in die Gewinnzone kommt, erhöht sich das Verlustrisiko. Neben den oben aufgezeigten, nicht unerheblichen Risiken gibt es weitere kostentreibende Risiken, die üblicherweise bei WKA-Bauprojekten bestehen, nicht zuletzt infolge von Umweltschutzauflagen, z.B. in Form von Abschaltungen zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten.

Wenn Verluste entstehen, dann müßten diese nach Lage der Dinge von den Einnahmen aus den Müllgebühren ausgeglichen werden. Die Verantwortlichen müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie mit dem Geld der Gebührenzahler umsichtig umgehen.

Die Abfallwirtschaft des Kreises Heppenheim hat in der Vergangenheit bereits eine Millioneninvestition "in den Sand (d.h. Müll) gesetzt". Im Jahr 1991 wurde in Heppenheim eine Kompostieranlage für etwa 30 Mio DM gebaut. Sie machte von Anfang an Verluste und mußte bald voll abgeschrieben werden. Die Verluste wurden seinerzeit aus den Müllgebühren ausgeglichen.

7) Gesundheit für Mensch und Tier, Infraschall

Zusammenfassung: Infraschall ist für den Menschen unhörbar, wird aber gleichwohl vom Körper wahrgenommen, wie wir aus dem Tierbereich wissen. Er breitet sich über viele Kilometer weit aus und durchdringt Mauern. Es gibt bisher nur wenige medizinische Untersuchungen mit noch unklaren Ergebnissen. Eine gesundheitliche Schädigung des Menschen kann demnach zur Zeit nicht ausgeschlossen werden.

Die Auswirkungen des Infraschalls auf die Tierwelt sind bisher noch völlig unerforscht. Auch hier kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige Tierarten in ihrem Lebensbereich erheblich beeinträchtigt werden. Das Baurecht sieht einen Schutz des Menschen vor übermäßigem Lärm vor. Dies gilt auch für Windräder. Deshalb schreibt der LEP einen Abstand von mindestens 1.000 m von Siedlungen vor. Bei der Genehmigung von Windrädern ist außerdem bei jedem einzelnen Bauprojekt die Prüfung der Lärmbelästigung für den Menschen vorgeschrieben.

Auch wenn man das Windrad nicht hören sollte, haben viele wissenschaftliche Studien gezeigt, dass Personen, die in 5 bis 10 km Abstand von einem großen Windrad leben, durch Infraschall in ihrer Gesundheit erheblich beeinträchtigt werden können (sogen. Windturbinen-Syndrom). Beim Menschen sind Schlaflosigkeit, Tinnitus, Kopfschmerzen, Herzrasen, Panikattacken, innere Unruhe, Unkonzentriertheit, Bluthochdruck und andere Krankheiten seine Folgen.

Im Baurecht ist der Infraschall noch nicht berücksichtigt. Die üblicherweise zur Lautstärkemessung verwendete dB(A)-Skala bewertet nur hörbaren Schall und berücksichtigt daher sehr tiefen Schall zu wenig und Infraschall gar nicht. Der baurechtliche Immissionsschutz läuft deshalb beim Infraschall ins Leere. Es wären ganz andere Schutzmaßnahmen nötig als beim normalen, hörbaren Lärm.

Normaler Schall und Infraschall unterscheiden sich in ihren physikalischen Eigenschaften. Normalem Schall kann man entgehen, indem man einfach die Fenster schließt oder den Abstand zur Lärmquelle vergrößert. Der Schall nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab. In tausend Meter Entfernung ist von einer WKA nicht mehr viel zu hören. Anders verhält sich das bei Infraschall, der sehr viel weiter trägt. Infraschall ist ein ganz tiefer, unhörbarer Ton, unter 20 Hz, der Fenster und Wände durchdringt und durch üblichen Schallschutz weder zu verhindern noch zu vermindern ist.

Die Tücke des Infraschalls liegt darin, dass man ihn nicht hört. Aus der Tierwelt wissen wir aber, dass er sehr wohl biologisch wahrgenommen wird. Anders als z.B. die Elefanten hat der Mensch kein spezifisches Organ für die Wahrnehmung von Infraschall, gleichwohl trifft er den ganzen Körper.

Die Forschungen zur Auswirkung des Infraschalls auf den Menschen haben gerade erst begonnen. Bisher ergibt sich noch kein einheitliches medizinisches Bild. Bei dem heutigen Wissensstand wäre es - angesichts der möglichen erheblichen Schädigungen für den Menschen – unverantwortlich, diese Gefahr voreilig als gering einzuschätzen. Wie groß die Gesundheitsgefahr wirklich ist, wird sich erst in weiteren medizinischen Untersuchungen herausstellen. Nötig sind hierfür nicht nur Laboruntersuchungen, sondern auch Langzeit-Felduntersuchungen, also Untersuchungen in der Praxis über viele Jahre. Es kommt hierbei auf die Langzeitwirkung an, normaler Schall und Infraschall gleichen sich hierin. Kurzfristig läßt sich normaler Lärm schon einmal aushalten, ein dauerhafter Schall hat hingegen eine andere Qualität. Erst langfristig zeigen sich bei normalem Schall die Belastungen und Gesundheitsschäden. Bei Infraschall wird es nicht anders sein. Es ist schon erstaunlich, dass es von den Verantwortlichen in Deutschland niemand für nötig gehalten hat, solche Felduntersuchungen zum Infraschall über viele Jahre rechtzeitig durchzuführen. Der Ausbau von Windparks geht derweil munter weiter.

Infraschall sollte deshalb beim heutigen Wissensstand nicht unterschätzt werden. Weder Stadt noch ZAKB, und natürlich auch nicht das Regierungspräsidium Darmstadt und der Gutachter für das Schallgutachten würden eine Garantie dafür abgeben, dass von Infraschall die Gesundheit von Menschen und Tieren nicht beeinträchtigt wird. Statt dessen herrscht Vogel-Strauß-Politik – man verschließt die Augen und das Risiko wird einfach den Menschen und Tieren auferlegt, die im Umkreis von ein paar Kilometern von WKA leben und sich dort aufhalten.

Sollten sich Gesundheitsschäden durch WKA bestätigen, dann wird es nicht ausbleiben, dass im Schädigungsbereich der Marktwert der Wohngrundstücke deutlich sinkt. Das wird auch schon dann geschehen, wenn die Gesundheitsgefährdung noch nicht bewiesen, aber möglich ist, und sogar auch dann, wenn definitiv gar keine Gesundheitsschädigung bestehen sollte, viele Menschen diese aber subjektiv befürchten. Auch scheinbare Wertminderungsfaktoren sind marktwirksam, wofür es in der Wirtschaftswissenschaft viele Beispiele gibt.

Die Auswirkungen von Infraschall auf die Tierwelt sind noch völlig unerforscht, sie könnten erheblich sein. Von den Fledermäusen weiß man, dass sie (den für den Menschen unhörbaren kurzwelligen) Ultraschall empfindlich wahrnehmen können und mit seiner Hilfe in der Dunkelheit jagen. Von Elefanten weiß man, dass sie (den langwelligen) Infraschall über die Ohren und die Fußballen gut wahrnehmen und sich damit über weite Entfernungen verständigen. In der Nähe von Windrädern könnten Elefanten nicht miteinander kommunizieren, sie könnten dort wahrscheinlich gar nicht überleben. Was unsere Wildtiere betrifft, aber auch Reptilien und Insekten, so ist es noch nicht einmal in Ansätzen bekannt, ob einige von ihnen auf Infraschallwellen empfindlich reagieren und durch sie erheblich beeinträchtigt werden. Windräder könnten mit dem von ihnen erzeugten Infraschall in ihrer Umgebung manche Tierarten vergrämen und völlig verdrängen, mit unübersehbaren Folgen für die übrige Fauna. Windradstandorte könnten so zur partiellen faunistischen Einöde werden.

8) Weitere Gründe, die gegen den Bau von Windrädern auf dem Deponiegelände in Hüttenfeld sprechen

Zusammenfassung: Das Oberrheintal ist eine wichtige europäische Vogelflugroute. Es ist zudem eine vielbenutzte Flugroute für kleine und große Flugzeuge, die auf den nahen Flugplätzen starten und landen. Windräder in der Mitte dieser Flugachse, die 200 m über der Ebene in die Höhe ragen, würden ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen.

- Das Rheintal ist eine wichtige europäische Vogelflugroute. Jeden Herbst kann man zahlreiche Scharen verschiedener Vogelarten sehen, u.a. Wildgänse und Kraniche, die im Schutz des Rheintals nach Süden bzw. im Frühjahr wieder nach Norden fliegen. Die Weschnitzinsel ist für einige Zugvogelarten ein viel genutzter Rastort. Auch um Hüttenfeld wurden schon rastende Zugvögel wie Gänse beobachtet.

- Das Rheintal ist eine wichtige Flugroute für große und kleine Flugzeuge. Es gibt hier auf engem Raum mehrere kleine und mittlere Flugplätze mit viel Flugverkehr (Heidelberg, Mannheim, Weinheim, Heppenheim, Bensheim, Egelsbach, Worms, Speyer). Für Kleinflugflugzeuge gilt die Rheinebene als geschätzte Sicherheitsflugroute, die insbesondere den ortsfremden Fliegern eine sichere Flugzone verschafft. Die Flugplatzrunde des Flugplatzes Heppenheim reicht bis auf wenige Meter an das Deponiegelände heran, so dass es keinen zusätzlichen Sicherheitsbereich für die Piloten mehr gibt.

- Der Sicherheitsabstand der Deponie zur Radarstation der zivilen Flugsicherung auf dem Gelände der Coleman-Kaserne in Mannheim-Sandhofen erreicht nicht die vorgeschriebenen 15 km.